Wie umweltschädlich ist eine Klimaanlage?

Die Sommer werden zunehmend heißer und sorgen für schlaflose und anstrengende Nächte. Es werden immer mehr Hitzerekorde aufgestellt, die Konsumenten dazu veranlassen, sich Gedanken über den Kauf einer Klimaanlage zu machen. Im Zuge der Klimabewegung stellt sich die Frage, wie schädlich Klimaanlagen wirklich für die Umwelt sind.

Die unterschiedlichen Arten von Klimaanlagen

Zur Vereinfachung ist es ratsam, die grobe Unterteilung der Klimaanlagen zu kennen. Grundsätzlich gibt es drei Arten von Klimaanlagen.

  • Mobiles Klimagerät: Es besitzt meistens Rollen und ist flexibel in unterschiedlichen Räumen nutzbar. Frischluft wird nicht zugeführt, stattdessen wird warme Luft in kalte Luft umgewandelt.
  • Mono- oder Singlesplit Klimaanlage: Diese Art wird als Außeneinheit an der Außenseite des Gebäudes angebracht. Die Raumtemperatur wird reguliert, entscheidend ist die Quadratmeterzahl.
  • Multisplit Klimaanlage: Eine Außeneinheit reguliert die Temperatur über mehrere angeschlossene Inneneinheiten. Verwendet wird die Anlage in größeren Wohnungen oder Häusern und Bürogebäuden.

Was macht Klimaanlagen umweltschädlich?

Während der Corona-Pandemie verbrachten Menschen mehr Zeit zuhause, was zu einer erhöhten Nachfrage von Klimaanlagen führte. Gerade Split Klimaanlagen sind sehr beliebt, aber in doppelter Hinsicht schädlich für das Klima. Zum einen haben sie einen hohen Stromverbrauch, zum anderen wird ein klimaschädliches Kältemittel verwendet. In der Fachwelt gibt es dafür eine eigene Maßeinheit, den TEWI. Ausgeschrieben steht das für „Total Equivalent Warming Impact“.

Verwendung von klimaschädlichen Kältemitteln

Es gibt unterschiedliche Arten von Kältemitteln, die aus anderen Chemikalien bestehen. Nicht alle Stoffe sind gleich schädlich für die Umwelt. Eine Gefahr für die Umwelt besteht, wenn Kältemittel aus den Klimaanlagen entweichen können. Das kann durch Lecks oder nachlässige Montage und Demontage geschehen. Alte und sehr ineffiziente Maschinen können bis zu 100 Prozent des Stoffes entweichen lassen.

Das gefährliche an den Stoffen sind ihre Folgen. Sie wirken als Treibhausgase. Für Treibhausgase gibt es die Maßeinheit GWP, übersetzt „Global Warming Potential“. Das GWP von CO2 beispielsweise beträgt eins und wird als Referenzgröße verwendet. Das sogenannte R410A gilt als Standard unter den Kälteschutzmitteln. Der GWP beträgt bereits 2.088 und zeigt, dass auch kleine Mengen eine große Wirkung in der Atmosphäre haben.

Alternative Kältemittel

Die Deutsche Umwelthilfe und das Umweltbundesamt setzen auf Alternativen für Raumklimaanlagen wie das Kältemittel R290. Es besteht aus dem natürlich vorkommenden Propangas, dessen GWP-Wert bei drei liegt. Auch in Entwicklungsländern wie Indien wird die Markteinführung solcher Mittel durch Deutschland unterstützt. In Deutschland selbst gibt es bisher noch Normungsvorgaben wie der Gebrauch von R290 Klimaanlagen, wogegen die Deutsche Umwelthilfe kämpft. Problematisch ist die chemische Industrie, die eigene synthetisch hergestellte Kältemittel verkaufen möchte und Druck ausübt. Es geht um ein Milliardengeschäft, weshalb sie den Einsatz von natürlichen Kältemitteln blockieren. Auch die Industrie arbeitet an neuen und alternativen Kältemitteln, die weniger klimafeindlich sind.

In China hat bereits eine Raumklimaanlage das deutsche Umweltabzeichen „Blauer Engel“ erhalten. Es geht um eine Klimaanlage, die mit Propangas betrieben wird. In Deutschland ist die Anlage bisher nicht erhältlich. Umweltexperten vergeben den verbreiteten herkömmlichen Klimaanlagen, die mit dem Kältemittel R410A betrieben werden, durchgehend schlechte Noten. Die GWP-Werte sind hoch und belasten die Umwelt. Eine Orientierung bietet folgender Vergleich: Ein Kilogramm R410A entspricht im Verhältnis ca. 700 Kilogramm Propan.

Hoher Stromverbrauch

Stromverbrauch

Klimageräte heizen das Klima auf. Der Strom, mit dem Klimageräte betrieben werden, kommt in den meisten Fällen aus fossilen Quellen. Hersteller der Klimaanlagen geben sich Mühe, die Technik stets effizienter und stromsparender zu machen. Solange der benötige Strom nicht zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen bezogen wird, sind negative Konsequenzen nicht aufzuhalten.

Notwendigkeit von Kühlungen in anderen Ländern

Gerade in Asien und Afrika ist es teilweise unmöglich, auf Kühlungen zu verzichten. Die 30 Städte mit den höchsten durchschnittlichen Temperaturen liegen in Entwicklungsländern. Kühlungen werden hier benötigt für beispielsweise die Lagerung von Impfstoffen. Fehlende Kühlsysteme können in diesen Ländern massive Folgen in Wirtschaft, Medizin und Ernte haben. Das Beispiel zeigt, dass weltweit umweltfreundliche und bezahlbare Technik eingesetzt werden muss, um die Umwelt dauerhaft zu schützen.

Gegenmaßnahmen der Europäischen Union

Die Politik setzt sich zunehmend für nachhaltigeren Umgang mit Klimaanlagen ein. Es wurden unterschiedliche neue Regelungen eingeführt, die langfristige Änderungen versprechen. So wurde beispielsweise der Einsatz von Kältemitteln, die HFKW oder FCKW enthalten, reduziert. Sie werden durch die Gesetze deutlich teurer, bis sie irgendwann verboten werden. HFCKW ist in vielen Anlagen nach wie vor enthalten. Seit dem Jahr 2015 ist es verboten, den Stoff in Deutschland nachzufüllen.

Klimafreundliches Kühlen im eigenen Heim

  • Es ist möglich, klimafreundlicher zu Kühlen. Beim Kauf einer Klimaanlage sollte auf den Stromverbrauch und die Klassifizierung geachtet werden. Klimaanlagen mit der Bezeichnung „A+++“ beispielsweise arbeiten effizient und verbrauchen dadurch weniger Strom.
  • Bis die nachhaltigen und natürlichen Kältemittel auch in Deutschland eingesetzt werden dürfen, bieten regelmäßiges Lüften und Rollos eine Alternative.
  • Beim Bau neuer Häuser und Gebäude wird auf gute Dämm- und Baumaterialen geachtet.

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